Dellach im Gailtal

Geotrail Zollnersee – Geheimnisse einer Landschaft

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Kaum eine andere Almlandschaft in den Karnischen Alpen ist so schön und vielfältig wie die rund um die Zollner Höhe. Das Naturjuwel Zollner See, Feuchtgebiete, Moore, Schutthalden, sanfte Hügel und schroffe Berge prägen heute das Gebiet. Sie sind das Ergebnis des Zusammenspiels von Gesteinen, Gebirgsbildungen, eiszeitlichen Gletschern, Klima, Verwitterung und menschlichen Tätigkeiten. Besonders ab dem Mittelalter wurden die Almflächen durch Rodungen stark ausgeweitet. So geht auch die erste urkundliche Erwähnung der Zollner Alm auf das Jahr 1444 zurück.

Gleichzeitig liegt im Zollnergebiet eine der Schlüsselstellen zum Verständnis des geologischen Baus der Karnischen Alpen. Zwei Gesteine überliefern an einer Nahtstelle die gesamte Geschichte der imposanten Bergwelt an der Grenze zu Italien in gebündelter Form.

Wegbeschreibung:
Auto: über die B111Gailtal Bundesstraße bis Dellach, abzweigen Richtung Weidenburg, von dort Auffahrt auf den Zollner über mautfreien Forstweg
Parken: kurz vor der Zollnersee Hütte
Start des Geotrails: Zollnersee Hütte

Information

Schwierigkeit:
Einfach
Kann teils schmal oder steil sein
Länge:
4,4 km
Mindesthöhe:
1715 m
Maximale Höhe:
1817 m
Unterschied:
210 m
Empfohlene Zeit:
Juni - Oktober
Empfohlene Ausrüstung:
Festes Schuhwerk, funktionelle Bekleidung

Information

Benutzung der Karte

Die interaktive altimetrische Darstellung ermöglicht Ihnen, auf der geographischen Karte die Höhenvariationen der Strecke in ihrem Verlauf anzuzeigen. Wenn Sie sie von links nach rechts scrollen sehen Sie, in welcher Richtung die Strecke anzugehen ist.
Die Zoomstufe kann mithilfe der Tasten oben links verändert werden, während die mittlere Taste die Anfangseinstellung wieder herstellt. Durch Anklicken der rechten Ikone kann dagegen eine andere Art von Karte ausgewählt werden.
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    1Das Moor – ein wolliges Kissen

    An diesem Standort befindet man sich am Rande eines Moores, einem im Zollnergebiet häufigen Landschaftselement. Es entsteht durch die Anhäufung von Torf, abgestorbenen Pflanzen, die wegen der ständigen Vernässung nicht vollständig zersetzt werden. Die wasserundurchlässigen Quarzgesteine im Untergrund und die hohen Niederschläge von mehr als 2.000 Millimeter pro Jahr bedingen diese Vernässung. Typische Moorpflanzen sind Torfmoose oder Wollgräser. Ihre Zersetzungsprodukte (Huminstoffe) und die im Gestein enthaltenen Eisenminerale verursachen auch die braune Farbe des Baches. Blütenstaub- bzw. Pollenanalysen ergaben, dass hier vor 3.000 Jahren noch ein See war, aus dem das heutige Moor durch Verlandung entstanden ist. Solange das Moor unter dem Einfluss vom See- oder Grundwasser steht, spricht man von einem Niedermoor. Mit der Zeit wächst ein Moor aber in die Höhe und entwickelt sich zu einem Hochmoor. Dieses erhält sein Wasser nur noch vom Niederschlag. Eines seiner typischen Merkmale ist eine gewölbte Oberfläche, die man hier schon erkennen kann. Dieses stellenweise mehr als zwei Meter tiefe Moor befindet sich in einem Übergangsstadium.

  2. HP_2_Geol-u-Lands_Blick_hohen-u-kleinen-Trieb_Low

    2Geologie und Landschaft – Ein Hobel aus Eis

    In alle Blickrichtungen zeigt dieser Haltepunkt eindrucksvoll, wie sehr das Gestein die Formenwelt einer Landschaft bestimmt.
    Im Südwesten fällt zunächst der schroffe Gipfel des Hohen Triebs auf, der hoch über der hügeligen Alm aufragt. Er setzt sich aus Kalkgesteinen zusammen, während die Almflächen und die Zollner Höhe im Nordwesten aus verschiedenen Schiefern und Sandsteinen bestehen. Letztere spalten wegen ihrer schiefrigen Struktur leichter auf und sind verwitterungsanfälliger als die kompakten Kalke. Die Kalke werden daher weniger schnell abgetragen und bleiben als hohe Gipfel erhalten. Zudem bedeckte der Gletscher der letzten Eiszeit das Almgelände bis in eine Höhe von ca. 2.000 Metern. Nur die höchsten Gipfel wie der Kleine und Hohe Trieb ragten heraus. Erst diese Eismassen, die nicht ruhig da lagen, sondern sich über das Zollnergebiet hinweg bewegten, schufen vor ca. 20.000 Jahren mit ihrer hobelnden Wirkung das sanfte hügelige Gelände.

  3. 3Zollnersee – ein Landschaftsjuwel mit ungewisser Zukunft

    Auch der Zollnersee verdankt seine Entstehung der Geologie. Der Gletscher der letzten Eiszeit schürfte eine Senke in die heute unter dem See liegenden Schiefer. Diese wasserundurchlässigen, auffallend schwarzen Gesteine verhindern ein Versickern des Wassers und bauen auch die den See umgebenden Hügel auf. Sie zählen mit einem Alter von 410 Millionen Jahren zu den älteren Gesteinen im Zollnersee Gebiet.
    Der Zollnersee wurde 1985 vor allem wegen seiner landschaftlichen Schönheit zum Naturdenkmal erklärt. Die Verlandung ist aber schon weit fortgeschritten, und langsam entwickelt sich der See zu einem Moor. Der maximal drei Meter tiefe See ist auch Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere. Hervorzuheben ist das Vorkommen des Schmalblättrigen Igelkolbens und des Alpen-Laichkrautes. Für die Tierwelt hat er als LaicHaltepuntklatz für Bergmolche Bedeutung.

  4. 4Kalkplatte – Heimat von Winzlingen

    Um zu dieser Kuppe aus Kalkgestein zu gelangen, muss man zunächst einen sanften Hügel aus Sandsteinen und Schiefern erklimmen. Obwohl gänzlich verschieden, gehören alle drei Gesteine einer Einheit, der so genannten Auernig-Formation, an. Sie hat sich vor rund 300 Millionen Jahren in der Karbon-Zeit in einem Küstengebiet gebildet und ist die jüngste Festgesteinsbildung im Zollnersee Gebiet. Damals wurden von einem Festland Sande in ein Flachmeer eingeschwemmt. Dann drang das Meer Richtung Land vor. In diesem Meer lebten Korallen, Kalkalgen, Kammerlinge und Seelilien. Ihre Kalkgehäuse häuften sich über den Sanden an und bauten nach und nach die heutige fossilreiche Kalkplatte auf. Unter den Fossilien dominieren hier die reiskorngroßen, heute ausgestorbenen Kammerlinge (Fusulinen). Die gleichen Arten findet man unter anderem im Moskauer Becken, was beweist, dass einst zwischen den Karnischen Alpen und Russland eine durchgehende Meeresverbindung bestand. Die Kalkalgen wiederum beweisen, dass das Meer nicht sehr tief gewesen ist, weil sie für ihr Wachstum auf das Sonnenlicht angewiesen sind.

  5. 5Kalkplatte – Heimat tierischer „Blumen“

    Dieser Standort gehört wie der letzte Haltepunkt einer einst zusammenhängenden Kalkplatte an, die im Laufe der Jahrmillionen in Teilplatten zerbrochen ist. Reste dieser ausgedehnten Kalkplattform finden sich immer wieder zwischen dem Zollnergebiet und dem Nassfeld.
    Im Gegensatz zum letzten Haltepunkt dominieren hier aber große Fossilien: die Seelilien oder Crinoiden. Daneben kann man im Gestein Kalkalgen, Kammerlinge und versteinerte Schnecken entdecken. Ihren Namen verdanken die Seelilien ihrem blumenartigen Aussehen, sie sind aber tierische Organismen und bevölkern noch heute die Meere. Ein Stiel mit Wurzeln verankert sie fest am Meeresboden. Am oberen Ende des Stiels ragen aus einer Art Blüte, der so genannten Krone, die Fangarme des Tieres heraus. Die einzelnen Glieder der aus Kalk bestehenden Hartteile des Tieres verloren nach dem Absterben ihren Zusammenhalt. Deswegen sind vollständig erhaltene Seelilien selten. So wie hier findet man meist nur Teilstücke.

  6. 6Der Kessel – ein Relikt der Eiszeit

    An diesem Haltepunkt überblickt man eine große kesselförmige Hohlform, in der sich ein Moor ausgebildet hat. Der Kessel ist fast völlig geschlossen. Nur östlich der Zollnersee Hütte hat sich der aus dem Moor abfließende Bach tief in eine Felsschwelle aus hartem Quarzgestein eingeschnitten. Entstanden ist die Hohlform - wie viele andere am Zollner -  in der letzten Eiszeit, als der damalige Gletscher das unterlagernde Gestein zu einem Kessel ausschürfte. Aber nicht nur Festgestein begrenzt den Kessel. Genau am Haltepunkt verflacht sich das Gelände zu einer markanten Terrasse, die nach ein paar Metern steil in den Kessel abfällt. Diese Terrasse entstand ebenfalls in der letzten Eiszeit, als die vom Kleinen Trieb kommenden Bäche das mitgeführte Geröll am Rand des abschmelzenden Gletschers ablagerten. Nach dem Abschmelzen des Eises blieb die terrassenförmige Geländestufe zurück. Diese im Gailtal häufigen Geländeformen werden  daher als Eisrandterrassen bezeichnet.

  7. 7Bergbau – ein hartes Brot

    An diesem Standort und an weiteren Stellen entlang des Geotrails entdeckt man kleine „Löcher“ in der Landschaft. Dabei handelt es sich um Bergbaue, wo einst Eisenerz abgebaut wurde. Die Eisenvererzungen sind an die rund 360 Millionen Jahre alten Gesteine der Devon-Zeit gebunden, die sich in ca. 3.000 Meter Wassertiefe gebildet haben. Man steht hier also auf uraltem Tiefseeboden!
    In diesem lebensfeindlichen Meer lebten fast nur kugelige Strahlentierchen (Radiolarien). Ihr Gehäuse bestand aus Quarz und war nicht einmal einen Millimeter groß. Dennoch entstanden aus ihnen mächtige Gesteinspakete, weil unzählbar viele Strahlentierchen als Plankton das Meer bevölkerten und sich nach dem Absterben anhäuften. Die daher fast nur aus Quarz bestehenden, sehr harten Gesteine findet man in zwei Formen: als kompakte Radiolarite (Lydite) oder als kieselige Schiefer, wenn sie leicht aufspalten. 

  8. 8Alte und neue Gebirge – der Schlüssel zur Vergangenheit

    An diesem Haltepunkt befindet man sich an einer Schlüsselstelle zum Verständnis des geologischen Baus der Karnischen Alpen, weil hier die zwei Einheiten oder Stockwerke, aus denen die Karnischen Alpen bestehen, aufeinander stoßen. Die Gesteine des älteren Stockwerkes haben ein Alter von rund 370 Millionen Jahren. Sie haben zwei Gebirgsbildungen mitgemacht. Die erste, die variszische, fand in den Karnischen Alpen vor ca. 320 Millionen Jahren in der Karbon-Zeit statt. Sie hat die Gesteine, die ursprünglich horizontal abgelagert wurden, gekippt und gefaltet. Nach Abklingen dieser unruhigen Phase, die rund 10 Millionen Jahre dauerte, wurden auf den alten Gesteinen die Gesteine des jüngeren Stockwerks wieder horizontal abgelagert. Beide Stockwerke haben dann die zweite Gebirgsbildung, die alpidische, durchgemacht. Der Höhepunkt dieses Knautschprozesses war erst vor rund 30 Millionen Jahren. Er hat die Gesteine nochmals gekippt, die heutigen Berge aus dem Meer heraus gehoben und so die imposante Berglandschaft der Karnischen Alpen geschaffen.