Kirchbach (Ö) - Paularo (I)

Geotrail Lanzenpass – Findenig

Zurück

In den Karnischen Alpen zwischen Cason di Lanza in Italien und Findenig in Österreich gibt es vor allem Felsen zwischen Devon und Perm, die ein Zeitintervall von etwa 150 Millionen Jahren fast ununterbrochen dokumentieren. Nicht alle Perioden sind gleich dokumentiert: Einige werden durch reichlichere Gesteine repräsentiert, andere sind auf wenige kleine Felsvorsprünge beschränkt.

Der Oberkarbon und der Unterperm sind nördlich des Lanzenpasses mit reichen fossilen Zeugnissen vertreten: Pflanzen, Muscheln, Brachiopoda, aber auch die Fußspuren großer Amphibien. Der Oberperm ist durch die Eigenschaften des roten Sandsteins der Grödner Formation gut dokumentiert. Das Devon hingegen ist in den Gebieten südlich des Lanzenpasses viel größer, bietet aber spektakuläre Landschaften, die auch entlang des Weges zu sehen sind. Die Anzeichen von zwei unterschiedlichen Orogenesen sind gut erkennbar, aber es ist die jüngste Formwirkung der Gletscher, die das Gebiet zu seinem heutigen Aussehen gebracht hat. An einigen Stellen des Pfades, z.B. im devonischen Kalkstein um Cason di Lanza, sind auch die Auswirkungen des Karstphänomens deutlich sichtbar.

Information

Schwierigkeit:
Kann teils schmal oder steil sein
Länge:
11,4 km
Unterschied:
900 m
Empfohlene Zeit:
Juni - September
Empfohlene Ausrüstung:
Trekkingausrüstung, Wasser, Lebensmittel

Information

BITTE BEACHTEN SIE: Die Wanderzeiten beziehen sich auf die Ankunft am anderen Ende der Wanderroute. Der Rückweg ist nicht einbezogen. Es wird empfohlen, eine Übernachtung auf der Straniger Alm in Betracht zu ziehen oder die Route auf zwei verschiedene Ausflüge aufzuteilen.

Benutzung der Karte

Die interaktive altimetrische Darstellung ermöglicht Ihnen, auf der geographischen Karte die Höhenvariationen der Strecke in ihrem Verlauf anzuzeigen. Wenn Sie sie von links nach rechts scrollen sehen Sie, in welcher Richtung die Strecke anzugehen ist.
Die Zoomstufe kann mithilfe der Tasten oben links verändert werden, während die mittlere Taste die Anfangseinstellung wieder herstellt. Durch Anklicken der rechten Ikone kann dagegen eine andere Art von Karte ausgewählt werden.
  1. 1Amphipora bei Cason di Lanza

    In der Umgebung der Cason di Lanza, entlang der Forststraße, die in Richtung Val Dolce führt, taucht grauer Kalkstein aus dem Mitteldevon auf. Es ist möglich zahlreiche, fossile Überreste zu erkennen: die am häufigsten vorkommenden, als dünne Röhren erscheinend sind die Amphipora, entfernte Verwandte der gegenwärtigen Schwämme, die in den Lagunen lebten und innerhalb des Riffgerüstes  geschützt waren. Es können auch Sektionen einiger Korallen und seltener Brachiopoden erkannt werden. Diese Gesteine werden, wegen der Vielzahl der Überreste dieser Organismen, informell "Amphipora-Kalksteine" genannt.

  2. 2Zutage treten der Grödner Sandsteine

    Die Forststraße wird von einem schmalen Streifen dunkelroter Felsen durchquert, die zwischen den grauen und braunen hervorstechen. Sie stammen aus uralten Wüstensanden und wurden vor etwa 260 Millionen Jahren am Ende des Paläozoikums im Oberperm gebildet. Sie werden Gröden-Formation, auch Grödner Sandsteine oder Grödner Schichten (italienisch Arenaria di Val Gardena) genannt und sind weiter westlich in der Nähe des Rio Cordin verbreitet. Ihre Besonderheit ist, dass sie hier durch die tektonischen Erschütterungen zwischen ältere Felsen, die die Alpen hervorgerufen haben, eingefügt wurden.

  3. 3Übersicht über das Val Dolce

    Von diesem mit Schildern ausgestatteten Aussichtspunkt aus, kann man eines der eindrucksvollsten Gebiete der Gegend beobachten: das Val Dolce. Der Name leitet von der charakteristischen Morphologie ab, die im Kontrast zu den felsigen Kalksteinwänden der Creta d'Aip des Monte di Val Dolce und des Cavallo di Pontebba steht, die die Kulisse bilden. Diese Unterschiede sind auf den unterschiedlichen Erodierbarkeitsgrad der zutage tretenden Gesteine zurückzuführen.

  4. 4Fossile Spuren auf dem Weg

    Hier sind Spuren von Organismen, die im Oberkarbon auf dem Meeresboden lebten vorhanden: Es handelt sich um "Spuren" der Aktivität von Wirbellosen, die sich in schlammigen Sedimenten bewegten, ernährten und Höhlen und Tunnels gruben. Es ist schwer zu verstehen, welche Tiere sie hinterlassen haben, da fast immer dort, wo Spuren von Fossilien vorhanden sind, keine Muscheln oder andere versteinerte Überreste wiedergefunden werden. Dies ist auf die Umweltbedingungen zurückzuführen, die die Erhaltung der organischen Überreste nicht begünstigten, oder auf die Tatsache, dass diejenigen, die sie hinterließen, keine hart versteinerten Teile hatten. Diese "Ichnofossilien" sind ein grundlegendes Zeugnis für eine umfassendere Sicht auf das Leben der Vergangenheit.

  5. 5Attilas Höhle

    Die charakteristische Form des Eingangs zu dieser Karsthöhle, die einem Schloss oder dem Griff eines Schwertes ähnelt, hat zu verschiedenen Legenden geführt. Die berühmteste ist mit der Durchreise der Hunnen von Attila in diesen Gebieten verbunden: Hier wäre der Schatz des Anführers (den noch niemand gefunden hat) verborgen. Der Hohlraum, dem Bach entlanglaufend, der das Wasser des Moores sammelt, besteht aus einem fast 500 Meter langen Tunnel.

  6. 6Überblick über das Moor von Attilas Höhle

    Wenn man nach Süden schaut, kann man das Moor sehen, bei dem sich Attilas Höhle öffnet. Die im Gebiet von Cason di Lanza weit verbreiteten Moore sind sumpfige Gebiete, die aus der Füllung alter, von Gletschern geformten Teichen stammen. Moore, die für ihre ökologische Bedeutung besonders wichtig sind, tragen dazu bei, diesen Teil der Karnischen Alpen einzigartig zu machen.

  7. 7Algenonkoiden auf dem Sattel

    Die merkwürdigen Strukturen, die in diesen Felsen zu beobachten sind, werden Algenonkoiden genannt. Dies ist das Ergebnis der Ablagerung konzentrischer Schichten von Calciumcarbonat durch Cyanobakterien um Schalen- oder Gesteinsfragmente herum. Diese Strukturen bilden sich derzeit auch auf dem Meeresboden, der durch den Einfluss von Wellen oder starken Strömungen gekennzeichnet ist. In den Karnischen Alpen liegen sie im Unterperm des Val Dolce Fm (= Fm des österreichischen Grenzlandes)

  8. 8Überblick über die Forca di Lanza

    Wenn man nach Süden schaut, sieht man die klaren Felsen der devonischen Klippen des Monte Zermula und Zuc della Guardia.  Die rundere Form des Monte Pizzuls im Hintergrund ist darauf zurückzuführen, dass die Felsen des offeneren Meeres, zeitgenössisch zu den Klippen, leichter erodiert werden. Diese beiden Abfolgen, die sich in relativ weit entfernten Gebieten hinterlegt haben, befinden sich nun fast in Kontakt infolge der tektonischen Bewegungen, die zur Bildung der Alpen geführt haben.

  9. 9Überblick über die Cima di Lanza

    Der geschichtete Eindruck der Cima di Lanza, den wir aus Osten beobachten, beruht auf eine Abwechslung von kompakteren Kalkplatten und weniger einheitlichen pelitischen Bereichen. Diese Gesteine siedelten sich zwischen dem Oberkarbon und dem Unterperm (vor etwa 320 bis 280 Millionen Jahren) an, in einer Zeit in der es, durch massive Vereisungen, häufige Schwankungen des Meeresspiegels gab.

  10. 10Überblick über die Pale di San Lorenzo Verwerfung

    Im Südwesthang der Pale di San Lorenzo sind die Verformungen der permokarbonischen Gesteine während der alpinen Orogenese deutlich zu erkennen. Sehr augenfällig sind die gebogenen Kalksteinschichten, die manchmal verdreht und manchmal unterbrochen und / oder durch fast senkrechte Verwerfungen verdrängt werden.

  11. 11150 Millionen Jahre in 150 Schritten

    Auf den nächsten 150 Metern durchschreiten Sie 150 Millionen Jahre Erdgeschichte, ehemalige Wüsten, Küsten und Meere. Achten Sie auf die Farben der Gesteine! Sie starten auf tiefroten Gesteinen, die sich vor etwa 260 Millionen Jahren auf riesigen Schwemmebenen in Küstennähe unter wüstenhaften Bedingungen ablagerten. Es folgen die bräunlichen Gesteine der rund 300 Millionen Jahre alten und fossilreichen Auernig-Formation, Ablagerungen einer Meeresküste. Dort, wo der Karnische Höhenweg in den Almweg mündet, stehen Sie auf 410 Millionen Jahre alten, schwarzen Gesteinen aus tieferen Meeresschichten.

  12. 12„2er Riebe“

    Auf der Westseite des Straniger Kopfes fällt eine weithin sichtbare Faltenstruktur auf, die von Einheimischen wegen ihrer Form als 2er-Riebe bezeichnet wird. Diese Form und ihre gute Sichtbarkeit ergeben sich durch die roten Gesteine der Gröden-Formation, die in helle Dolomitgesteine eingebettet, zur Ziffer „2“ gefaltet sind.
    Die Falte zählt zu den markantesten Deformationserscheinungen in den gesamten Karnischen Alpen. Eine Riebe, der Dialektausdruck für Plaike, bezeichnet einen Bereich mit abgerutschtem Boden.

  13. 13Versteinerte Eier?

    Am Standort treffen Sie auf eine häufige Bildung in Gesteinen zwischen dem Nassfeld und dem Zollnersee:  nussgroße und kugel- bis eiförmige Einschlüsse in feinkörnigen Gesteinen, Konkretionen genannt. Dabei handelt es sich nicht um Fossilien, sondern um anorganische Bildungen. Im Gestein werden bei Sauerstoffmangel Substanzen wie Eisen- und Manganoxide gelöst und verlagert. Ist wieder genug Sauerstoff vorhanden, fallen die Substanzen aus und bilden wieder feste Aggregate – die Konkretionen. Mineralausfällungen kennen Sie von Kalkablagerungen in Wasserkochern.

  14. 14Gefaltetes Gestein

    Dieser Standort zeigt eine Gesteinsfalte, entstanden durch die alpidische Gebirgsbildung. Allerdings fiel sie der Erosion zum Opfer, wie die Skizze zeigt. Bei Gesteinen werden zwei Arten der Verformung unterschieden. Eine bruchhafte Verformung zeigen vor allem massige Gesteine wie Kalke: Sie reagieren überwiegend spröde und bilden Klüfte. Die bruchlose Verformung ist eher typisch für feinkörniges Gestein wie hier am Haltepunkt: Es reagiert plastisch und bildet Falten, konkret am Standort eine scharf geknickte Biegefalte (Knickfalte). Typisch für sie ist eine konstante Mächtigkeit der Lagen.

  15. 15Land und Meer in Stein geschrieben

    An der Felswand am Wegrand stoßen Sie auf Gesteine der fossilreichen Auernig-Formation, die sich vor rund 300 Millionen Jahren an einer reich belebten Meeresküste bildeten. Sie besteht aus Meeres- und Küstenablagerungen. Beide Einheiten sehen Sie hier am Standort. Zuunterst liegen graue Kalkgesteine, entstanden in einem warmen und nicht sehr tiefen Meer. Zog sich das Meer zurück, schwemmten Flüsse Sande ein. Die verfestigten sich zu braunen Sandsteinen, die hier über den Kalken liegen. An den folgenden Haltepunkten erfahren sie Details zu dieser berühmten Gesteinsformation.

  16. 16Kalklieferanten

    Der Standpunkt zeigt die wichtigsten kalkproduzierenden Organismen der Auernig-Formation: Kalkalgen. Sie benötigten für die Photosynthese Sonnenlicht und lebten daher in Wassertiefen zwischen 10 und 30 Metern. Nach dem Absterben zerfielen die Kalkskelette der Algen meist zu Kalkschlamm, selten blieben sie gut erhalten. Hier sind zwei Arten der verbreitetsten Kalkalgen anzutreffen: stäbchenförmige und salatblattähnliche. Zungenbrecher sind ihre wissenschaftlichen Bezeichnungen: Anthracoporella spectabilis und Archaeolithophyllum missouriense.

  17. 17Spuren im Gestein

    Die seidig glänzenden Steinplatten gehören ebenfalls zur Auernig-Formation. Auf ihnen sind häufig dunkle, circa ein Zentimeter große Kreise zu erkennen. Dabei handelt es sich um Querschnitte von Grabgängen (Skolithos) wirbelloser Tiere, die den damaligen küstennahen Ablagerungsraum besiedelten. Mit etwas Glück lässt sich eine weitere Spur (Psammichnites) finden. Sie zeigt sich als circa ein Zentimeter breite Bahn mit einer Mittellinie. Man vermutet, dass ein schneckenartiges Weichtier mit einem schnorchelartigen Organ (Rüssel) die Spur bei der Suche nach Nahrung erzeugt hat.

  18. 18„Tierische Blumen“

    In den Kalken am Haltepunkt finden sich Längs- und Querschnitte von Crinoiden (Seelilien), nach den Kalkalgen die häufigsten Fossilien in den Auernig-Kalken. Bei ihnen handelt es sich um meist am Meeresboden festgewachsene Stachelhäuter, die noch heute die Meere bevölkern. Sie bestehen aus einer Wurzel, einem Stiel und der Krone mit Fangarmen und ähneln damit einer Blume. Nach dem Absterben zerfallen Seelilien schnell, weswegen vollständige Exemplare selten sind. Die Dicke der Stielglieder am Standort lässt auf eine einstige Länge der Seelilien von 50 - 100 Zentimetern schließen.

  19. 19Buckel und Dellen

    Rund ums Lodintörl fallen markante, fast weiße Kalkbuckel der Auernig-Formation auf, bei denen es sich vermutlich um Kalkalgenriffe handelt. Unter ruhigen Meeresbedingungen konnten diese Lebewesen massenhaft wachsen und riffbildend wirken.
    Südlich der Staatsgrenze ist eine fast kreisrunde Eintiefung von circa 200 Metern Durchmesser zu sehen. Es handelt sich um eine Doline, eine kessel- bis trichterförmige und typische Karsterscheinung. Der Name stammt vom slowenischen Wort „Dolina“ und bedeutet übersetzt „Tal“.