Laas - Gemeinde Kötschach-Mauthen

Geotrail Laas – Versteinerter Urwald – lebendige Geologie

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In Laas befindet sich ein Naturdenkmal höchsten Ranges: der versteinerte Baum von Laas, das größte Pflanzenfossil Österreichs.

Abgesehen von diesem geologischen Highlight lässt die Vielfalt der lokalen Gesteine eine spannende Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten ist, die aber nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Es ist die Geschichte einer Dorfgemeinschaft, die sich nur entfalten konnte, weil ihr die geologischen Verhältnisse günstige Voraussetzungen boten, und weil die Menschen die Gesteine zu nutzen wussten.

Die geologischen Gegebenheiten lenkten die Entwicklung, den Wohlstand und die kulturelle Entfaltung des Dorfes. Sie sorgten aber auch für Rückschläge, Angst und Schrecken, wenn sie Naturgewalten wie Murenabgänge mitverantworteten. Bis in die 1950er Jahre bestand diese Abhängigkeit, dann vergrößerte die Auslagerung vieler Produktionsprozesse, die vorher in allen Einzelschritten im Dorf selbst vorgenommen wurden, die Distanz zu den Lebensgrundlagen vor Ort. Aber auch heute noch ist Geologie von existenzieller Bedeutung. Nur muss man genauer hinsehen, um das zu erkennen. Der geologische Wanderweg durch Laas soll dazu beitragen.

 

Wegbeschreibung

Auto: über die B110 Plöckenpaß Bundesstraße nach Laas
Parken: südlich der Kirche beim Feuerwehrhaus
Start des Geotrails: Dorfbrunnen bei der Kirche

Information

Schwierigkeit:
Einfach
Länge:
5,3 km
Mindesthöhe:
830 m
Maximale Höhe:
933 m
Empfohlene Zeit:
April - Oktober
Empfohlene Ausrüstung:
Festes Schuhwerk

Information

ITALIEN
info@geoparcoalpicarniche.org
+39 0433 487726
Tolmezzo (UD) – ITALY

ÖSTERREICH
office@geopark-karnische-alpen.at
+43 (0) 4718 / 301- 17
A-9635 Dellach / Gail 65 – AUSTRIA

  1. 1Die Laaser Mühle – Symbol der Fruchtbarkeit

    Damit ein Dorf entstehen kann, müssen zwei Lebensgrundlagen vorhanden sein: Wasser und fruchtbare Böden. An letzere erinnert der Sinnspruch über der Tür zur Laaser Mühle.  Böden haben deswegen viel mit Geologie zu tun, weil sie fast zur Gänze aus Mineralen und Gesteinen bestehen. Auf ihnen wurde alles angebaut, was der Mensch zum Leben brauchte. Das waren nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Rohstoffpflanzen wie z.B. Flachs für die Herstellung von Stoffen. Waldböden lieferten den unentbehrlichen Bau- und Brennstoff Holz. Unter den Nahrungspflanzen war Getreide eines der wichtigsten, das aber erst durch abriebfeste Steine zu Mehl vermahlen werden musste. Auch diese fand man in der Umgebung von Laas: die wegen ihres Quarzgehaltes widerstandsfähigen roten Brekzien. In der Mühle wurde aber nicht nur Getreide zu Mehl vermahlen. Zwischen 1880 und 1930 betrieb man mit ihr auch Dresch- und Futterschneidmaschinen in den benachbarten Bauernhöfen. Die Mühle ist die letzte einer Reihe von Mühlen, Sägen und Schmieden, die sich einst am Laaser Bach aneinander reihten.

  2. 2Die Mure – Angst und Schrecken

    Die schöne Kulturlandschaft lässt auf den ersten Blick nicht erkennen, dass ihre Entstehung für die Dorfbewohner mit Angst und Schrecken verbunden war. Man steht hier auf einem Schwemmkegel, einem für Täler typischen Landschaftselement. Seinen Ausgang nimmt er punktförmig von einem Graben und verbreitert sich talabwärts fächerförmig. In diesen Gräben sammelt sich über die Jahre lockeres Gesteinsmaterial an, das dann bei starken Regenfällen in Bewegung kommt und als Mure seinen Weg nach unten sucht. Immer wieder wurden die Dörfer des Gailtals von solchen Muren überfahren. Häuser wurden verschüttet und die Landschaft verwüstet. Mühselig war das Aufräumen der Felder, denn schwere Steine mussten entfernt werden. Meist wurden sie zu Steinhäufen oder Steinmauern aufgeschlichtet. 1878 wurden zum Schutz von Laas knapp oberhalb der Wohnblöcke am Bergfuß Rückhaltemauern aufgebaut.

  3. 3Das Wasserwerk – Genug Wasser dank Wüste

    Wasser ist neben dem Boden unabkömmlich für das Bestehen eines Dorfes. Und das hat Laas im Überfluss. Einerseits wegen des Klimas, denn das Gailtal zählt zu den niederschlagreichsten Regionen Kärntens. Aber dass das Wasser auch als hochwertiges Quellwasser zur Verfügung steht, dazu trägt die Geologie bei. Die Gipfel der Gailtaler Alpen um Laas werden von Kalk- und Dolomitgesteinen aufgebaut. Dank ihrer vielen Klüfte nehmen sie das Niederschlagswasser auf und leiten es im Berg in die Tiefe. Auf ihrem Weg nach unten treffen die Bergwässer auf die wenig wasserdurchlässigen roten Sedimentgesteine, Gesteine die sich in einer Wüste gebildet haben. Diese Sperrschicht zwingt das Wasser zum Austritt. Die Quelllinie, entlang der eine Quelle nach der anderen aus dem Berg sprudelt, zieht sich den ganzen Laaser Berg entlang. Wäre diese Sperrschicht nicht vorhanden, würde das Wasser im Berg abfließen. Dann wären die Gailtaler Alpen bei Laas nicht die guten Quellwasserspender, die sie sind. Die erste zentrale Wasserversorgung für Laas wurde 1922 gebaut. Das Wasserreservoir zeugt davon. Vorher bezogen die Einwohner ihr Wasser von zentralen Dorf- oder Hofbrunnen.

  4. 4Die versteinerten Bäume von Laas – ein verkannter Schatz

    Kann der Mensch aus einem Naturgebilde keinen unmittelbaren praktischen Nutzen ziehen, bleibt es bestenfalls unbeachtet liegen - und sei es für die Wissenschaft noch so wertvoll. So erging es dem Versteinerten Baum von Laas, dem größten Pflanzenfossil Österreichs. Er wurde um 1930 bei Felssprengungsarbeiten freigelegt und zunächst nur von einheimischen Kindern als spektakulärer Spielplatz genutzt. Erst in den 1940er Jahren erfuhren die Geologen vom Stamm und erst 1968 erklärte man ihn zum Naturdenkmal. Seither wurden in Laas etliche weitere versteinerte Bäume gefunden. Der  280 Millionen Jahre alte Baum beweist, dass schon damals im Zeitalter des Perms bis zu 30 Meter hohe Bäume wuchsen. Sie hatten eine weit verzweigte Krone, waren aber noch keine echten Nadelhölzer, sondern deren Vorläufer, die Cordaiten. Der wissenschaftliche Namen des Baumes lautet Dadoxylon schrollianum. Erhalten geblieben ist nicht das Holz selbst, sondern seine mit Quarz verfüllten Poren. Aus der Anordnung der Bäume im Sandsteinfels - sie liegen in diesem kreuz und quer - kann abgeleitet werden, dass sie nicht hier gewachsen sind, sondern an ihren heutigen Platz geschwemmt wurden.

  5. 5Schlacken – Türkis und Jade

    Im leise plätschernden Bächlein funkeln zwischen roten Gesteinen hie und da glasige, türkisblaue bis jadegrüne Steine auf. Häufiger findet man dunkle und blasenreiche Gesteine, wie man sie in der Nähe von Vulkanen erwarten würde. Sie geben entlang des Geotrails den ersten Hinweis darauf, dass der Mensch immer versucht hat, durch die Nutzung von Rohstoffen sein Leben leichter und komfortabler zu gestalten. Tatsächlich handelt es sich bei den Gesteinen um künstliche Schmelzrückstande (Schlacken), die bei der Gewinnung von Metallen aus Erzen in einer nahe gelegenen Hochofenanlage anfielen. Schlacken wirken glasartig, weil sie schnell abkühlen. Ihnen bleibt keine Zeit Kristalle zu bilden, sondern sie erstarren wie Glas zu einer ungegliederten (amorphen) Masse. Die bunten Farben gehen auf verschiedene Metallsalze zurück. Die blasenförmigen Hohlräume entstehen durch die Gase, die sich während des Schmelzprozesses bilden und zunächst in der Schlacke eingeschlossen werden. Schlacken wurden und werden als Dämm- und Schüttmaterial (z.B. als Straßenschotter) sowie in der Zementindustrie verwendet.

  6. 6Die Hochofenanlage – Glanz und Glamour

    Einer der wichtigsten Rohstoffe für die Menschheit ist Eisen, weil sich aus ihm Waffen von hoher Qualität und robuste Werkzeuge herstellen lassen. Es wurde in den Gailtaler und den Karnischen Alpen abgebaut und war ein Garant für Wohlstand. Auch in unmittelbarer Nähe zum Standort wurden zwei Abbaue betrieben. Die Hochofenanlage von Laas vermittelt wegen ihres guten Erhaltungszustandes ein klares Bild einer Schmelzhütte des frühen 19. Jahrhunderts. Der Hochofen wurde 1817 angeblasen, der Betrieb aber wegen Unrentabilität bereits 1847 wieder eingestellt. In der Anlage dominiert das Forsthaus mit dem angebauten, alles überragenden Hochofen. Dahinter erstreckt sich der eindrucksvolle Kohlbarren, von dem aus über eine Holzbrücke der Hochofen mit Erz und Holzkohle von oben befüllt wurde. Der doppelt ausgeführte Röstofen, mit dem das Erz entschwefelt wurde, ist in seiner Art einzigartig in Österreich. Jährlich wurden in Laas im Schnitt 140 Tonnen Roheisen erzeugt. Das Forsthaus diente in den 1950er Jahren sogar als Filmkulisse. Mit der Filmcrew zum Heimatfilm „Die Försterbuben“ kam ein Hauch von Glamour in das noch stark bäuerlich geprägte Gailtal.

  7. 7Die Pittersburg – alte Burg auf jungem Fels

    Wie überall musste sich der Mensch durch die Errichtung von Holz- oder Steingebäuden vor den Unbilden der Natur und Feinden schützen. Holzbauten boten naturgemäß bei feindlichen Angriffen wenig Sicherheit, weswegen für Wehrbauten und Burgen Stein bevorzugt wurde. Von den drei Hauptgesteinsgruppen rund um Laas, den Granatglimmerschiefern zuunterst, den Kalken zuoberst und den roten Festlandablagerungen dazwischen, wurden nur die letzteren zwei als Bau- und Gebrauchssteine eingesetzt. Und natürlich nicht nur für die Burg! Aus ihnen wurden Haus- und Gartenmauern, Mörser oder Mühlsteine und sogar Geschoßkugeln zur Erstürmung der Pittersburg hergestellt. Keine Verwendung fanden wegen ihres schiefrigen Aufbaus und geringen Festigkeit die Glimmerschiefer. Die Pittersburg wurde auf einem markanten Felsrücken aus Kalkgestein errichtet. Es ist mit ca. 245 Millionen Jahren das jüngste Gestein, das im Zuge des Geotrails erwandert wird. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg geht auf das Jahr 1252 zurück. Ab dem 16. Jahrhundert setzte der Zerfall ein. Erhalten geblieben sind die Reste einer Zisterne, eines Burgfrieds und die Zwingermauer.

  8. 8Die Dorfkirche  – Unerwartetes

    Steinkunst von unerwarteter Qualität kann in der spätgotischen Filialkirche zum hl. Andreas bewundert werden. Diese Kulturleistung war möglich, weil zum einen genug Geld für exzellente Handwerker zur Verfügung stand, da die Pittersburg bei Laas über Jahrhunderte Sitz vermögender Verwalter war. Sie initiierten die Errichtung der Kirche. Zum anderen fand man den Werkstoff für Steinmetzarbeiten vor Ort: den wegen seiner Feinkörnigkeit leicht zu bearbeitenden, roten Laaser Sandstein. Gebaut wurde an der Kirche zwischen 1510 bis 1535 unter der Leitung von Bartlmä Firtaler. Seine höchste Vollendung erreichte das Steinmetzhandwerk beim Sakristeiportal, an dessen Tür sich auch ein spätgotisches Schloss und die Beschläge erhalten haben. Bizarr wirken die Steinmännchen hoch oben an den mit Kreuzblumen geschmückten Strebepfeilern an der Außenwand. Aufwändig wurden auch die Steine rund um das West- und das Südportal mit seiner spätgotischen eisenbeschlagenen Tür bearbeitet. Von besonderem Zauber in der Kirche ist zudem ihr Schling- und Sternrippengewölbe mit seinen zarten aufgemalten Blütenranken.